Montag, 21. Dezember 2009

Roadtrip: Washington & Philly



Es ist ja auch alles nicht so einfach... nach über einer Woche "Webentzug" habe ich es nun mal wieder ins Netz geschafft. Überraschenderweise wieder in Washington DC. Das ist aber leicht erklärt, denn ich sitze gerade im Airport Washington Dulles und warte auf meinen Flug nach Frankfurt. Was ich nicht für möglich gehalten hätte: In New York war kein Internet zu kriegen! Also schon... sogar im Hotel – allerdings für saftige 14 $ pro Tag. Das habe ich dann ja nicht ganz eingesehen. Deswegen hole ich jetzt Mal nach. Erstmal mit Fotos...

An meinem zweiten Tag in Washington (also letzten Montag) habe ich beim Frühstück Dominik aus Nürnberg kennengelernt. Wir hatten ungefähr das Gleiche auf dem Tagesplan, also haben wir uns spontan zusammengetan. Erst ausgiebig ins Capitol, mit Führung und Zugucken bei einer Sitzung des U.S. House Of Representatives (voll der Reinfall, es waren vielleicht zehn Abgeordnete da und die haben zwei Minuten lang irgendwelche High School Sportteams geehrt). Danach quer durch's Regierungsviertel zum WWII-Monument, Vietnam-Monument und Lincoln-Monument... Ich wollte noch eben fix nach Arlington zum Grab von JFK, aber dummerweise war ich genau um 5 p.m. da... also kurz nach Sonnenuntergang. Und nun ratet mal, wann der Friedhof die Pforten schließt...

Nunja, zurück zum Parkhaus und wieder in meinen dicken Jeep und gemütlich durch Maryland gefahren. Irgendwann kurz hinter der Grenze zu Pennsylvania und kurz vor Philadelphia habe ich mir einen WalMart-Parkplatz gesucht und mich dort dann schlafen gelegt. Etwas verspannt und mit trockenem Hals (irgendwann um vier Uhr nachts habe ich den Wagen angemacht und einfach laufen lassen, mit dem Ergebnis, dass es nach einer zu kalten Nacht morgens viel zu heiß in dem Ding war) begann mein straff geplantes Tageswerk: Rein nach Philadelphia, die Liberty Bell anschauen, noch fix 'ne Führung durch die Independence Hall mitgemacht (wo Unabhängigkeitserklärung und Verfassung unterschrieben worden waren), eben runter zum Delaware-River und wieder ab ins Auto und Richtung NYC...

Sonntag, 13. Dezember 2009

The Rainy Capital



Part 2 des heutigen Posts:
Am DIA (Denver International Airport – der sich beim insgesamt siebten Besuch schon unheimlich vertraut anfühlte) legte ich eine Punktlandung hin – und zwar mit meinem Gepäck. 50 Pfund pro Gepäckstück sind erlaubt und während in meinem Rucksack noch massig Platz war (46,5 Pfund), brachte mein Koffer... richtig, 50,00 Pfund auf die Waage. Deutsche Präzision nennt man das! Noch von Daniel zum Gate gebracht (der gestern nach Toronto geflogen ist und den ich nach Weihnachten in Köln wiedersehen werde), ging es mit JetBlue nach New York JFK. Da der Flug sowas von gar nicht ausgebucht war, hatte ich zum Glück eine ganze Sitzreihe zum Hinlegen und Schlafen. Brauchte ich auch, denn der Tag war noch lange nicht vorbei, als ich in NY landete. Mit Sack und Pack (und deshalb Rückenschmerzen) direkt zum Budget Car Rental, wo ich für die Zeit bis Dienstag ein Auto vorbestellt hatte. Economy (billigst), die Kleinwagenkategorie brachte mir netterweise einen fast nagelneuen Jeep Grand Cherokee ein – das entspricht einem Free Upgrade von etwa fünf Kategorien :) Gut, bei 16 Miles per Gallon bezahl' ich an anderer Ecke mehr.

New York ließ ich mal gleich rechts liegen und fuhr direkt durch New Jersey Richtung Philadelphia. 60 Meilen vor Baltimore musste ich dann aber endgültig eine Straßenkarte kaufen – hauptsächlich, um den Tollway I-95 zu umfahren. Gemütlich durch's nächtlich Baltimore (kein allzuschöner Flecken, um nachts ausgesetzt zu werden) und schließlich rein nach Washington DC. An dieser Stelle danke an Amanda für's Empfehlen des Hostels, in das ich nachts um 3 endlich eingecheckt hatte. Und dann wurde erstmal Schlaf einer ganzen Woche nachgeholt... bis etwa 13 Uhr heute (ich mein', um fair zu sein, die sind hier zwei Stunden weiter als Laramie, also eigentlich habe ich nur bis 11 geschlafen).

Durch den Regen ging es dann erstmal zum Weißen Haus. Wenigstens ist es hier mit -2 Grad Celsius kuschelig warm im Vergleich zu Wyoming! Danach auf's Washington Monument (der riesige Phallus vorm Weißen Haus), von dem man leider nicht so gut sehen konnte, weil total nebelig alles hier. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich mit Aufwärmen und Füßetrocknen in den National Archives vor Declaration Of Independence und Constitution. Schließlich noch fix zum Capitol Hill und im Hard Rock Café zu Abend essen. Und nu' muss ich auch dringend wieder in die Federn (auch wenn es erst Viertel vor neun ist), ich bin nämlich noch immer total fertig und muss um 6 aufstehen, um mein Auto umzuparken... Grüße aus DC!

Finals Week und Goodbye Laramie



Heute geht's mal steil mit einem Doppel-Post... hab' ja auch wieder mal lange nichts von mir hören lassen. Natürlich wieder mit gutem Grund, schließlich war die letzte Woche (eigentlich schon die letzten zwei) purer Stress. Früh aufstehen, bis abends lernen und machen, dazwischen noch Sport... Mensch, ich hatte noch nichtmal Zeit zum Trinken! Dienstagabend Spanish-Final, Mittwochnacht dann bis 4 a.m. programmiert, nur, um am Donnerstag die Software für mein Forschungsprojekt abzugeben (im Gegenzug für einen offiziellen Brief, der mir ein "A" bescheinigt und sagt, dass ich geil bin), direkt danach dann Marketing-Final geschrieben und auch Donnerstagabend früh nach Hause, nur um freitags um 5 Uhr aufzustehen und anzufangen, für mein Computer Networking Final zu lernen (das dann fünf Stunden später auch war).


Und anstatt danach den derben Schwall an befreienden Glückshormonen zu spüren, ging der Stress erst richtig los. Packen. Und Zimmer putzen. Zwischendurch war noch ein letztes Mal ein Café Latte bei Coal Creek mit Daniel und Janet drin, aber dann war auch höchste Eisenbahn. Kurz vor 8 p.m. war ich schließlich offiziell aus Hill Hall Room 219 ausgecheckt. Und ab ging's zu Christian und Ryan, die auf eine Weihnachtsfete mit stilvollem Dinner (es gab Lamm, Cookies und Cake), Salsa-Contest (ja Josh, Richards Salsa war echt die bessere!) und Schrottwichteln (eigentlich heißt das hier "White Elephant", aber Ryan und Christian bevorzugten "Pink Elephant"). Und danach noch ein letztes Mal in die Library. Ein bisschen wehmütig war das schon. Wehmut musste auf dem Weg zum Airport den Kopfschmerzen eines soliden Hangover weichen...

Montag, 7. Dezember 2009

Snowy Range Snowboarding



Zum Surfen an der australischen Pazifikküste und weiteren netten Outdoor-Ereignissen diesen Jahres hat sich am Wochenende Snowboarden in den Rocky Mountains hinzugesellt. Am Samstagmorgen früh aufgestanden und nach Snowy Range gefahren. Das ist hier das nächstgelegene Skigebiet. Kalt war es zwar (immerhin der wärmste Tag der Woche mit bis zu -6 Grad Celsius Höchsttemperatur), aber mit vernünftiger Kleidung und jeder Menge Anstrengung kam ich eher ins Schwitzen als ins Frieren. Schließlich war es mein erstes Mal auf 'nem Schneebrett. Im Übrigen an dieser Stelle Gruß nach Deutschland – es war nämlich Renés Snowboard, dass er vor ein paar Wochen an Carsten verkauft hat, der es mir dann für Samstag geliehen hatte.

Das, was allen voran Arne Seeman und Konsorten über die schmerzhafte und frustrierende Lernkurve des Snowboardens gesagt haben, kann ich nun teilweise verstehen. Zwar war es zu Beginn mehr Fallen als Boarden – am Ende des Tages hatte ich immerhin die Technik soweit raus, um eine Piste mit weniger als 20 Stürzen zu absolvieren (Kurvenschwünge und Steilstücke inklusive). Als Belohnung für das fleißige Tageswerk in Centennial noch den Einkehrschwung ins Bistro gemacht und den Tag beschlossen. Nichtsdestotrotz bin ich heute ziemlich sore (habe Muskelkater) und etwas bruised (leichte Prellungen, blaue Flecken).

Aber hilft ja nix, heute Morgen musste ich trotzdem bei einem Umzug helfen (Möbel schleppen) und danach noch ins Gym. Dort waren es heute nicht nur der 10k-Run, sondern vor allem zwei Stunden Workout mit Ben, der mir zum Abschluss noch die Basics vom Qui-Gong beibrachte, die den Schmerz bei den Crunches zuvor mehr als rechtfertigten. Nachdem ich nun am Wochenende wieder mal nix gemacht hab', mache ich jetzt noch 15 Minuten etwas für mein Qui (spricht sich "Tschi"), damit ich morgen in aller Herrgottsfrühe in die Finals Week starten kann.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Advent, Advent... oder so ähnlich...

Was Weihnachtsbeleuchtung angeht, sind die Amis ja noch 'ne ganze Ecke penetranter als die Deutschen. Zack! Das geht hier von Thanksgiving direkt über in den luminös-colorierten Christmaswahnsinn. Bei dieser Gelegenheit nochmal eben Jesus ins Fenster gestellt und ab geht's. Dummerweise habe ich mal so gar keine Zeit, hier ein paar Kreationisten für ihre Ignoranz zu versohlen – die sind ja zum Glück auch die Ausnahme.

Stattdessen fing heute (korrekterweise müsste ich sagen, gestern – es ist schließlich 2 AM) die letzte Vorlesungswoche hier an. Zeittechnisch könnte ich noch gut drei Wochen gebrauchen, allerdings dann ohne Vorlesungen und nur für das Forschungsprojekt. Andererseits... naja. Heute wurde der Abschied auch irgendwie offiziell, schließlich hatte ich Farewell Reception. Meint eigentlich nur: Es gab Kuchen und einen Wisch mit chiquem Uni-Siegel, der sagt, dass ich für ein Semester hier als Austausch war.

Jetzt geht's noch drum, das Beste aus der verbliebenen Zeit zu machen. 10 Stunden studieren jeden Tag, dazwischen noch 2 Stunden Workout. Ok, zugegeben, das nehme ich mir schon das ganze Semester vor. Mit mäßigem Erfolg. Aber Lars, mach' dir keine Hoffnungen, auch wenn Fitnesstudio nicht jeden Tag drin ist hier, ich laufe mittlerweile auf 2200 Metern die gleichen Zeiten wie in Wittmund. Ich freue mich auf unsere nächste Joggingrunde :)

Was gibt's sonst Neues? Hey, ich bin in Laramie – ergo, nicht viel. Achja, Donnerstag Nacht soll's bis -22° C und Schnee geben. Kuschelig warm für Wyoming-Verhältnisse. Wenigstens kratzen wir tagsüber noch die Plusgrade an. Is' aber auch egal, schlafen kann ich die letzten Wochen so gut wie gar nicht. Und da meine Leber gerade zum Trocknen hängt, ist mir auch nicht unbedingt nach Nachhelfen zumute. Hat den netten Nebeneffekt, viel Lesen zu können des Nachts. Ja, ich bin mit der Twilight-Saga so gut wie durch... Oh Gott, jetzt hab ich's zugegeben! Ich geh' in mein Bett, mich schämen... und vielleicht noch eben die letzten 100 Seiten lesen...

Donnerstag, 26. November 2009

Thnksgvng



Heute ist es soweit, Truthahn-Genozid in den USA. Die Ausläufer von Erntedank gehen schon bis Dienstag zurück. Unser Marketing-Prof ließ seine Vorlesung ausfallen, damit die Leute früher ihre Tour nach Hause – oder sonstwohin antreten können. Und tatsächlich, seit gestern ist der Campus hier tot. Wie ausgestorben. Selbst das Fitnessstudio hat zu, die Mensa macht zwei Mal eine Stunde am Tag mit "Notversorgung" auf. Gerade eben kriege ich sogar 'ne SMS mit "Happy Thanksgiving"...

Trotz einer Einladung zum traditionellen Dinner zog ich es vor, über das Wochenende hier zu bleiben. Ich habe nämlich eigentlich zu viel zu tun. Aber wie das immer so ist in einer ausgestorbenen Uni mit der Arbeitsmotivation... Na egal, die Library hat heute auch zu, was bleibt einem also übrig. Wenigstens braucht man heute kein schlechtes Gewissen für's Ausschlafen zu haben, hat schließlich das ganze Land so gemacht.

Der Spuk (und es ist wirklich ein bisschen gruselig wenn man den Campus hier menschenleer sieht) ist frühestens am Samstag oder Sonntag vorbei, wenn die Leute langsam wiederkommen. Bis dahin gibt's hier noch Daniel, Christoph und Stephane, mit denen ich wohl morgen mal nach Denver fahre. Denn hey, wenn alle Leute bei ihren Familien zu Hause sitzen, was macht da der Einzelhandel – richtig, der veranstaltet landesweit den größten Rabatttag im Jahr. Auf so ziemlich alles gibt's dann dicke Prozente. Naja, vielleicht nicht auf Truthähne...

Samstag, 21. November 2009


Ja, so ist es halt im Leben – und noch schlimmer im Auslandssemester, wenn mit einer Horde Leuten verschiedenster internationaler Hintergründe zusammenhängt: Leute kommen und gehen. Am Montag geht René. Wieder nach Deutschland. Aber dass der genug von Wyoming und Laramie hat, ist mehr als verständlich! Vor zehn Jahren ist er mit seiner Mutter hergezogen, vor sieben Jahren hat er Kristyn kennengelernt. Letztere war der Grund, hier nicht wegzugehen. Nun aber ist es soweit, es geht wieder nach Good Ol' Germany, genauer gesagt Frankfurt (wo er herkommt) oder München (wo sein Vater wohnt). Kristyn kommt nach ihrer Graduation im Mai nach.

Für die Arme ist das Ganze natürlich ganz schön hart. Umso schöner zu sehen, dass gestern noch mal ausgiebig gelacht wurde. Überraschungsparty bei Karen. Viele Unterhaltungen, einige Bierchen und ein paar Tänze (die Latinos mussten das Ganze natürlich wieder in eine Salsa-Party umgestalten) später, kam dann doch noch ein bisschen Wehmut hinzu. Aber so ist das halt. René, wir sehen uns in Deutschland!

Sonntag, 15. November 2009

Ne, aber jetzt mal ernsthaft... -21°C??? Ich glaub' es hackt! Damit hat es die Welt da draussen in vorzüglicher Weise geschafft, sich meiner momentanen Stimmung anzupassen. Dunkel und kalt! Naja, jetzt mal nicht so dramatisch werden. Aber heute war echt ein Tag zum Vergessen! Ewigkeiten im Bett gegammelt und den Kater "ausgelegen", nur um den ganzen Rest des Tages auch keinen anderen Menschen zu sehen. Der einzige Weg raus aus meinem Zimmer führte mich einmal über die Straße für ein Chicken Teriyaki Sub. Grandios... also, nicht das Sub, sondern der Tag *hüstel*.

Wenigstens habe ich meine Spanisch-Hausaufgaben gemacht. Arbeitseffizienz ging zwar gegen Null, aber wenigstens is' fertich jetzt. Ab morgen wird sich wieder Hals über Kopf und hochmotiviert in die Arbeit geschmissen, vielleicht sogar mal nüchtern. Das Nest hier ist schlecht für meine Leber. Aber nicht, weil hier das wilde Partyleben tobt, sondern weil eben nicht. Ach, leck' mich doch anne Füße, ich geh' jetzt wieder ins Bett. Derweil noch ein kleines bisschen amerikanischer Humor, das fast an den Bierspruch von vor zwei Monaten herankommt:

Women are like parking spots –
taken, handicapped or way out...!

In diesem Sinne, gute Nacht!

Mittwoch, 11. November 2009

If you're going to San Francisco...


...ja, ich war da. Allerdings war ich dem lieben Scott McKenzie nicht wirklich treu, denn ich hatte keine Blumen im Haar. Dafür habe ich Udo Jürgens alle Ehre gemacht, denn zerrissene Jeans sind ja wieder in. Und die hatte ich dann natürlich auch an, als es Freitagabend in die Stadt an der Bucht ging. Außer einem Lichtermeer war zunächst einmal nichts zu sehen, denn wir sind nachts eingeflogen, aber schon beim ersten kurzen Spaziergang von der U-Bahn-Station zum Hostel fiel ein ganz gravierender Unterschied zu allen bisher besuchten US-Städten auf: Diese Stadt hat so etwas wie eine Seele, ein Karma oder Flair – wie auch immer man es nennen möchte. Denn nach der Zeit, die ich mittlerweile hier bin, vermisst man, was die Amerikaner so schön "Diversity" nennen. Besonders wenn man in Wyoming lebt.

Dazu muss ich kurz abschweifen, bevor ich weiter von SF berichte: Ich werd' hier noch zum Zyniker. Das hat zwei komplementäre Gründe. Zum einen die Umstände, zum anderen das Land und die Menschen hier. In einem Land, in dem die Häuser von außen pompös und von innen nur billiges Sperrholz sind, treffen leider auch viele Einwohner diese Analogie! Amis sind "Big in Smalltalk"; d.h. sie reden viel. Wirklich etwas zu sagen haben die Wenigsten. Und das sind dann meistens die, die Zeit im Ausland verbracht haben oder andere kulturelle Einflüsse in der Familie haben – und die lassen dann auch nur wenig Gutes an der "Kultur" hier. Zynismus und Sarkasmus sind ausgezeichnete Wege, dem entgegenzutreten, das verstehen die nämlich einfach nicht. Wie man es galant zusammenfassen kann: Der größte Unterschied zwischen Europa und Amerika? Intellect and Circumcision!

Naja, das ist nu vielleicht ein wenig überspitzt und den Amis Unrecht getan. Aber leider ist auch etwas dran. Da war es schön, ein Wochenende in einer Multi-Kulti-Stadt verbracht zu haben, der auch die riesige Zahl von Obdachlosen in ihrer Schönheit nur wenig Abbruch tut.

Freitagabend war nicht mehr viel, außer im Adelaide-Hostel einzuchecken und bei Pakistani um die Ecke zu Abend zu essen. Denn schließlich war am nächsten Morgen um 6:30 die Nacht zu Ende. Mit der Cable Car zur Fisherman's Wharf, den Blick auf Alcatraz genießen, ein U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg besichtigen, feststellen, dass Alcatraz-Touren für Samstag komplett ausgebucht sind und sich schließlich mit Ben, Carsten und Ferdi ein Fahrrad leihen. Ja, wir sind von der Wharf hoch und dann über die Golden Gate Bridge bis nach Sausalito geradelt und in der Abenddämmerung mit der Fähre über die Bay wieder zurück. Atemberaubend. Abgerundet wurde der Tag mit einem Abendessen in Chinatown und einem kurzen Abstecher mit Ben und Nils (der aus Oldenburg ist und für ein Semester in Berkeley studiert) ins EndUp, bei Bacardi-Cola über Amerika lästern :)


Sonntag wollten die anderen mit den Fahrrädern zum Golden Gate Park, ich habe die gemütliche Route durch Downtown vorgezogen und bin an den Piers entlang, um mich um 12 mit Carsten und Ben an der Fähre nach Alcatraz zu treffen. Die Knastinsel war beeindruckend, was zum großen Teil der Audiotour zu verdanken war; auch wenn ich solche Kopfhörerführungen eigentlich nicht mag, haben die da mit den Stimmen von ehemaligen Wärtern und Häftlingen eine authentische Stimmung geschaffen. Nach Alcatraz noch fix zum Coit Tower hoch, den Sonnenuntergang anschauen und danach den Berg runter, auf der anderen Seite wieder rauf, die Lombard Street angucken (das geschlängelte Stück Straße mit Blumen rundherum). Das Cable Car brachte uns schließlich zurück zum Hostel, bevor wir im Mission District Thai Essen gegangen sind.

Der schönste Tag war aber tatsächlich Montag. Obwohl ich hier aus bestimmten Gründen nicht alles erzählen kann... Nur soviel: Carsten und ich sind morgens zum Campus nach Berkeley gefahren, um uns von Nils eine Führung durch die berühmte Uni geben zu lassen. Danach war ich noch in einer Mall, bin über die Bay Bridge gefahren, habe Treasure Island und Twin Peaks mit einem wunderbaren Blick über SF gesehen, bevor es schließlich überglücklich zum Airport ging. Dabei habe ich völlig verpeilt, Lena "tschüss" zu sagen. Die musste ihr Auslandssemester wegen Komplikationen bei den Zwillingen in ihrem Bauch abbrechen und ist von L.A. nach Deutschland zurückggeflogen. Auf diesem Wege viel Glück!

Beschlossen wurde der Tag in Fort Collins beim Italiener... Bevor es wieder in die Tristesse von Laramie, Wyoming ging. Ich will zurück nach California!

Donnerstag, 5. November 2009

"It's like brain masturbation", sagte der Franzose in Fort Collins nach dem zweiten Margarita. Und es ist wirklich so. Das Nachdenken und Philosophieren, auch mit Freunden, ist im Endeffekt genau das. Ein Hochgefühl, nur um danach die Leere des echten Lebens mit der Unwirklichkeit der fünf Minuten zu vergleichen. Dabei kann man nur verlieren. Was bleibt ist der Neid. Neid auf Leute, die einfach über vieles nicht nachdenken, weil sie dazu nicht fähig sind. Und deshalb sind sie glücklicher. Alles 500 Mal drehen und wenden stellt sicher, dass man jeden Aspekt bedacht hat, man andere Meinungen akzeptiert und sogar zulässt, dass sie das eigene Weltbild aus den Angeln heben. Aber was hat man davon? Gar nichts! Denn wer stuhr oder zumindest von sich selbst überzeugt und eingenommen ist, der hat gewonnen auf dieser Welt. Profunde Analysen werden geschätzt, im Endeffekt aber immer verworfen. Weil das Einfache einfach so viel einfacher ist.

"Das, was du sagst, klingt nach bitter erarbeiteter Lebenserfahrung", sagt genau der, von dem man am wenigsten ein schlagkräftiges Urteil erwartet, aber es dafür am meisten schätzt. Und nicht nur, weil es auf eine schmerzhafte Art schmeichelt, das zu hören, ist man geneigt, es zu akzeptieren. Hey, ich bin gerade 25 geworden. Man fühlt sich durchaus manchmal älter. Zu alt. Da trifft es, wenn einem das Gegenüber in der Bar ungeschönt an den Kopf schmeißt, dass man heute fünf Jahre älter aussieht als noch gestern. Danke, Gefühl getroffen.

Was bleibt von all dem? Gute Frage. Eine Antwort darauf kann einem kaum einer geben. "Nicht viel", bin ich geneigt zu sagen. "And the soul underneath, is it all that remains?" fragt da der Schmuse-Pop-Sänger. Aber er hat wohl Recht. Viel mehr bleibt nicht. Und eigentlich will man doch nicht mal das sehen. Denn eventuell ist es unangenehm. Und wer will sich schon damit belasten. Verständlich. Pro und Kontra von Reflektion. "Auch wenn ich nicht immer glücklich bin, kann ich wenigstens sagen, ich habe gelebt" gibt der schwarze Zyniker zu verlauten, wenn er über die Einbahngedanken der "mit-sich-zufriedenen" resümiert. Bewundernswerte Einstellung, setzt aber voraus, dass man sich selbst zumindest so sehr schätzt, um auf diesem Ross zu sitzen.

Zweifel sind der Feind eines jeden Egos. Natürlich. Aber ist ein Ego eine so erstrebenswerte Sache? Um des eigenen Glückes willen; ja! Man kann nie alle Probleme lösen, an dem Versuch, die Welt zu retten, sind schon ganz andere gescheitert. Aber wenn es nur wenigstens die eigene kleine Welt wäre... ohne die kann schließlich keiner existieren. Doch was, wenn diese Welt aus den Fugen gerät? Tja, offenes Ende, "to be continued" oder was-weiß-ich-denn-hör-mir-doch-auf-mit-dem-Scheißdreck... So ist es dann wohl. "Der Mensch ist des Menschen Wolf", wusste schon Adam Smith, aber lang' nicht nur im Großen, sondern viel schlimmer auch im Kleinen. Darauf war es nicht bezogen, aber es passt. "And when the hour is upon us" geht das Lied weiter... ja... was dann "no you will not be forgotten and you will not be alone"... Sicher?