Dienstag, 1. Dezember 2009

Advent, Advent... oder so ähnlich...

Was Weihnachtsbeleuchtung angeht, sind die Amis ja noch 'ne ganze Ecke penetranter als die Deutschen. Zack! Das geht hier von Thanksgiving direkt über in den luminös-colorierten Christmaswahnsinn. Bei dieser Gelegenheit nochmal eben Jesus ins Fenster gestellt und ab geht's. Dummerweise habe ich mal so gar keine Zeit, hier ein paar Kreationisten für ihre Ignoranz zu versohlen – die sind ja zum Glück auch die Ausnahme.

Stattdessen fing heute (korrekterweise müsste ich sagen, gestern – es ist schließlich 2 AM) die letzte Vorlesungswoche hier an. Zeittechnisch könnte ich noch gut drei Wochen gebrauchen, allerdings dann ohne Vorlesungen und nur für das Forschungsprojekt. Andererseits... naja. Heute wurde der Abschied auch irgendwie offiziell, schließlich hatte ich Farewell Reception. Meint eigentlich nur: Es gab Kuchen und einen Wisch mit chiquem Uni-Siegel, der sagt, dass ich für ein Semester hier als Austausch war.

Jetzt geht's noch drum, das Beste aus der verbliebenen Zeit zu machen. 10 Stunden studieren jeden Tag, dazwischen noch 2 Stunden Workout. Ok, zugegeben, das nehme ich mir schon das ganze Semester vor. Mit mäßigem Erfolg. Aber Lars, mach' dir keine Hoffnungen, auch wenn Fitnesstudio nicht jeden Tag drin ist hier, ich laufe mittlerweile auf 2200 Metern die gleichen Zeiten wie in Wittmund. Ich freue mich auf unsere nächste Joggingrunde :)

Was gibt's sonst Neues? Hey, ich bin in Laramie – ergo, nicht viel. Achja, Donnerstag Nacht soll's bis -22° C und Schnee geben. Kuschelig warm für Wyoming-Verhältnisse. Wenigstens kratzen wir tagsüber noch die Plusgrade an. Is' aber auch egal, schlafen kann ich die letzten Wochen so gut wie gar nicht. Und da meine Leber gerade zum Trocknen hängt, ist mir auch nicht unbedingt nach Nachhelfen zumute. Hat den netten Nebeneffekt, viel Lesen zu können des Nachts. Ja, ich bin mit der Twilight-Saga so gut wie durch... Oh Gott, jetzt hab ich's zugegeben! Ich geh' in mein Bett, mich schämen... und vielleicht noch eben die letzten 100 Seiten lesen...

Donnerstag, 26. November 2009

Thnksgvng



Heute ist es soweit, Truthahn-Genozid in den USA. Die Ausläufer von Erntedank gehen schon bis Dienstag zurück. Unser Marketing-Prof ließ seine Vorlesung ausfallen, damit die Leute früher ihre Tour nach Hause – oder sonstwohin antreten können. Und tatsächlich, seit gestern ist der Campus hier tot. Wie ausgestorben. Selbst das Fitnessstudio hat zu, die Mensa macht zwei Mal eine Stunde am Tag mit "Notversorgung" auf. Gerade eben kriege ich sogar 'ne SMS mit "Happy Thanksgiving"...

Trotz einer Einladung zum traditionellen Dinner zog ich es vor, über das Wochenende hier zu bleiben. Ich habe nämlich eigentlich zu viel zu tun. Aber wie das immer so ist in einer ausgestorbenen Uni mit der Arbeitsmotivation... Na egal, die Library hat heute auch zu, was bleibt einem also übrig. Wenigstens braucht man heute kein schlechtes Gewissen für's Ausschlafen zu haben, hat schließlich das ganze Land so gemacht.

Der Spuk (und es ist wirklich ein bisschen gruselig wenn man den Campus hier menschenleer sieht) ist frühestens am Samstag oder Sonntag vorbei, wenn die Leute langsam wiederkommen. Bis dahin gibt's hier noch Daniel, Christoph und Stephane, mit denen ich wohl morgen mal nach Denver fahre. Denn hey, wenn alle Leute bei ihren Familien zu Hause sitzen, was macht da der Einzelhandel – richtig, der veranstaltet landesweit den größten Rabatttag im Jahr. Auf so ziemlich alles gibt's dann dicke Prozente. Naja, vielleicht nicht auf Truthähne...

Samstag, 21. November 2009


Ja, so ist es halt im Leben – und noch schlimmer im Auslandssemester, wenn mit einer Horde Leuten verschiedenster internationaler Hintergründe zusammenhängt: Leute kommen und gehen. Am Montag geht René. Wieder nach Deutschland. Aber dass der genug von Wyoming und Laramie hat, ist mehr als verständlich! Vor zehn Jahren ist er mit seiner Mutter hergezogen, vor sieben Jahren hat er Kristyn kennengelernt. Letztere war der Grund, hier nicht wegzugehen. Nun aber ist es soweit, es geht wieder nach Good Ol' Germany, genauer gesagt Frankfurt (wo er herkommt) oder München (wo sein Vater wohnt). Kristyn kommt nach ihrer Graduation im Mai nach.

Für die Arme ist das Ganze natürlich ganz schön hart. Umso schöner zu sehen, dass gestern noch mal ausgiebig gelacht wurde. Überraschungsparty bei Karen. Viele Unterhaltungen, einige Bierchen und ein paar Tänze (die Latinos mussten das Ganze natürlich wieder in eine Salsa-Party umgestalten) später, kam dann doch noch ein bisschen Wehmut hinzu. Aber so ist das halt. René, wir sehen uns in Deutschland!

Sonntag, 15. November 2009

Ne, aber jetzt mal ernsthaft... -21°C??? Ich glaub' es hackt! Damit hat es die Welt da draussen in vorzüglicher Weise geschafft, sich meiner momentanen Stimmung anzupassen. Dunkel und kalt! Naja, jetzt mal nicht so dramatisch werden. Aber heute war echt ein Tag zum Vergessen! Ewigkeiten im Bett gegammelt und den Kater "ausgelegen", nur um den ganzen Rest des Tages auch keinen anderen Menschen zu sehen. Der einzige Weg raus aus meinem Zimmer führte mich einmal über die Straße für ein Chicken Teriyaki Sub. Grandios... also, nicht das Sub, sondern der Tag *hüstel*.

Wenigstens habe ich meine Spanisch-Hausaufgaben gemacht. Arbeitseffizienz ging zwar gegen Null, aber wenigstens is' fertich jetzt. Ab morgen wird sich wieder Hals über Kopf und hochmotiviert in die Arbeit geschmissen, vielleicht sogar mal nüchtern. Das Nest hier ist schlecht für meine Leber. Aber nicht, weil hier das wilde Partyleben tobt, sondern weil eben nicht. Ach, leck' mich doch anne Füße, ich geh' jetzt wieder ins Bett. Derweil noch ein kleines bisschen amerikanischer Humor, das fast an den Bierspruch von vor zwei Monaten herankommt:

Women are like parking spots –
taken, handicapped or way out...!

In diesem Sinne, gute Nacht!

Mittwoch, 11. November 2009

If you're going to San Francisco...


...ja, ich war da. Allerdings war ich dem lieben Scott McKenzie nicht wirklich treu, denn ich hatte keine Blumen im Haar. Dafür habe ich Udo Jürgens alle Ehre gemacht, denn zerrissene Jeans sind ja wieder in. Und die hatte ich dann natürlich auch an, als es Freitagabend in die Stadt an der Bucht ging. Außer einem Lichtermeer war zunächst einmal nichts zu sehen, denn wir sind nachts eingeflogen, aber schon beim ersten kurzen Spaziergang von der U-Bahn-Station zum Hostel fiel ein ganz gravierender Unterschied zu allen bisher besuchten US-Städten auf: Diese Stadt hat so etwas wie eine Seele, ein Karma oder Flair – wie auch immer man es nennen möchte. Denn nach der Zeit, die ich mittlerweile hier bin, vermisst man, was die Amerikaner so schön "Diversity" nennen. Besonders wenn man in Wyoming lebt.

Dazu muss ich kurz abschweifen, bevor ich weiter von SF berichte: Ich werd' hier noch zum Zyniker. Das hat zwei komplementäre Gründe. Zum einen die Umstände, zum anderen das Land und die Menschen hier. In einem Land, in dem die Häuser von außen pompös und von innen nur billiges Sperrholz sind, treffen leider auch viele Einwohner diese Analogie! Amis sind "Big in Smalltalk"; d.h. sie reden viel. Wirklich etwas zu sagen haben die Wenigsten. Und das sind dann meistens die, die Zeit im Ausland verbracht haben oder andere kulturelle Einflüsse in der Familie haben – und die lassen dann auch nur wenig Gutes an der "Kultur" hier. Zynismus und Sarkasmus sind ausgezeichnete Wege, dem entgegenzutreten, das verstehen die nämlich einfach nicht. Wie man es galant zusammenfassen kann: Der größte Unterschied zwischen Europa und Amerika? Intellect and Circumcision!

Naja, das ist nu vielleicht ein wenig überspitzt und den Amis Unrecht getan. Aber leider ist auch etwas dran. Da war es schön, ein Wochenende in einer Multi-Kulti-Stadt verbracht zu haben, der auch die riesige Zahl von Obdachlosen in ihrer Schönheit nur wenig Abbruch tut.

Freitagabend war nicht mehr viel, außer im Adelaide-Hostel einzuchecken und bei Pakistani um die Ecke zu Abend zu essen. Denn schließlich war am nächsten Morgen um 6:30 die Nacht zu Ende. Mit der Cable Car zur Fisherman's Wharf, den Blick auf Alcatraz genießen, ein U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg besichtigen, feststellen, dass Alcatraz-Touren für Samstag komplett ausgebucht sind und sich schließlich mit Ben, Carsten und Ferdi ein Fahrrad leihen. Ja, wir sind von der Wharf hoch und dann über die Golden Gate Bridge bis nach Sausalito geradelt und in der Abenddämmerung mit der Fähre über die Bay wieder zurück. Atemberaubend. Abgerundet wurde der Tag mit einem Abendessen in Chinatown und einem kurzen Abstecher mit Ben und Nils (der aus Oldenburg ist und für ein Semester in Berkeley studiert) ins EndUp, bei Bacardi-Cola über Amerika lästern :)


Sonntag wollten die anderen mit den Fahrrädern zum Golden Gate Park, ich habe die gemütliche Route durch Downtown vorgezogen und bin an den Piers entlang, um mich um 12 mit Carsten und Ben an der Fähre nach Alcatraz zu treffen. Die Knastinsel war beeindruckend, was zum großen Teil der Audiotour zu verdanken war; auch wenn ich solche Kopfhörerführungen eigentlich nicht mag, haben die da mit den Stimmen von ehemaligen Wärtern und Häftlingen eine authentische Stimmung geschaffen. Nach Alcatraz noch fix zum Coit Tower hoch, den Sonnenuntergang anschauen und danach den Berg runter, auf der anderen Seite wieder rauf, die Lombard Street angucken (das geschlängelte Stück Straße mit Blumen rundherum). Das Cable Car brachte uns schließlich zurück zum Hostel, bevor wir im Mission District Thai Essen gegangen sind.

Der schönste Tag war aber tatsächlich Montag. Obwohl ich hier aus bestimmten Gründen nicht alles erzählen kann... Nur soviel: Carsten und ich sind morgens zum Campus nach Berkeley gefahren, um uns von Nils eine Führung durch die berühmte Uni geben zu lassen. Danach war ich noch in einer Mall, bin über die Bay Bridge gefahren, habe Treasure Island und Twin Peaks mit einem wunderbaren Blick über SF gesehen, bevor es schließlich überglücklich zum Airport ging. Dabei habe ich völlig verpeilt, Lena "tschüss" zu sagen. Die musste ihr Auslandssemester wegen Komplikationen bei den Zwillingen in ihrem Bauch abbrechen und ist von L.A. nach Deutschland zurückggeflogen. Auf diesem Wege viel Glück!

Beschlossen wurde der Tag in Fort Collins beim Italiener... Bevor es wieder in die Tristesse von Laramie, Wyoming ging. Ich will zurück nach California!

Donnerstag, 5. November 2009

"It's like brain masturbation", sagte der Franzose in Fort Collins nach dem zweiten Margarita. Und es ist wirklich so. Das Nachdenken und Philosophieren, auch mit Freunden, ist im Endeffekt genau das. Ein Hochgefühl, nur um danach die Leere des echten Lebens mit der Unwirklichkeit der fünf Minuten zu vergleichen. Dabei kann man nur verlieren. Was bleibt ist der Neid. Neid auf Leute, die einfach über vieles nicht nachdenken, weil sie dazu nicht fähig sind. Und deshalb sind sie glücklicher. Alles 500 Mal drehen und wenden stellt sicher, dass man jeden Aspekt bedacht hat, man andere Meinungen akzeptiert und sogar zulässt, dass sie das eigene Weltbild aus den Angeln heben. Aber was hat man davon? Gar nichts! Denn wer stuhr oder zumindest von sich selbst überzeugt und eingenommen ist, der hat gewonnen auf dieser Welt. Profunde Analysen werden geschätzt, im Endeffekt aber immer verworfen. Weil das Einfache einfach so viel einfacher ist.

"Das, was du sagst, klingt nach bitter erarbeiteter Lebenserfahrung", sagt genau der, von dem man am wenigsten ein schlagkräftiges Urteil erwartet, aber es dafür am meisten schätzt. Und nicht nur, weil es auf eine schmerzhafte Art schmeichelt, das zu hören, ist man geneigt, es zu akzeptieren. Hey, ich bin gerade 25 geworden. Man fühlt sich durchaus manchmal älter. Zu alt. Da trifft es, wenn einem das Gegenüber in der Bar ungeschönt an den Kopf schmeißt, dass man heute fünf Jahre älter aussieht als noch gestern. Danke, Gefühl getroffen.

Was bleibt von all dem? Gute Frage. Eine Antwort darauf kann einem kaum einer geben. "Nicht viel", bin ich geneigt zu sagen. "And the soul underneath, is it all that remains?" fragt da der Schmuse-Pop-Sänger. Aber er hat wohl Recht. Viel mehr bleibt nicht. Und eigentlich will man doch nicht mal das sehen. Denn eventuell ist es unangenehm. Und wer will sich schon damit belasten. Verständlich. Pro und Kontra von Reflektion. "Auch wenn ich nicht immer glücklich bin, kann ich wenigstens sagen, ich habe gelebt" gibt der schwarze Zyniker zu verlauten, wenn er über die Einbahngedanken der "mit-sich-zufriedenen" resümiert. Bewundernswerte Einstellung, setzt aber voraus, dass man sich selbst zumindest so sehr schätzt, um auf diesem Ross zu sitzen.

Zweifel sind der Feind eines jeden Egos. Natürlich. Aber ist ein Ego eine so erstrebenswerte Sache? Um des eigenen Glückes willen; ja! Man kann nie alle Probleme lösen, an dem Versuch, die Welt zu retten, sind schon ganz andere gescheitert. Aber wenn es nur wenigstens die eigene kleine Welt wäre... ohne die kann schließlich keiner existieren. Doch was, wenn diese Welt aus den Fugen gerät? Tja, offenes Ende, "to be continued" oder was-weiß-ich-denn-hör-mir-doch-auf-mit-dem-Scheißdreck... So ist es dann wohl. "Der Mensch ist des Menschen Wolf", wusste schon Adam Smith, aber lang' nicht nur im Großen, sondern viel schlimmer auch im Kleinen. Darauf war es nicht bezogen, aber es passt. "And when the hour is upon us" geht das Lied weiter... ja... was dann "no you will not be forgotten and you will not be alone"... Sicher?

Sonntag, 1. November 2009

Trick or Treat?!


Ich hab' schon Karneval immer gehasst... nicht wegen des Festes an sich, einfach wegen meiner eigenen Unkreativität. Ok, Halloween, na dann muss man sich halt irgendwas einfallen lassen. Schwarzer Umhang, Zylinder und Make-Up. Fertig war der Schmalspur-Dracula. Mein Make-Up hab' ich ganz allein gemacht und ich finde, ich sah ganz schön untot aus :)

Karen und Josh hatten zur Halloween-Party geladen. Da gab's dann von jeder Menge Piraten über einen täuschend echten Elvis bis hin zu dem authentisch französischen Mimen jede Menge Variationen. Sogar Michael Ballack war da. Doch der absolute Knaller war Anan, der als eine Mischung aus Grace Jones und Tina Turner voll in seiner Rolle aufging. Die Fotos sind echt 'nen Blick wert.

In der Library ging es bei der großen Halloween-Fete weiter. Danke an Carsten, der den halben Abend mit meiner Kamera rumgelaufen ist und alle möglichen Kuriositäten abgeknipst hat. Morgens um vier (hier wurde heute Nacht auf Winterzeit umgestellt, also war es offiziell eigentlich erst drei) noch zum traditionellen Frühstück bei Shari's, abschmincken und endlich ins Bett.

Fazit: Verkleidungspartys sind mir immer noch suspekt, aber Halloween war allemal besser als der Schulfasching von früher...

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Livemusic and Groundblizzards


Mein "Ich lebe noch!" ist dieses Mal gar nicht so selbstverständlich, wie sich das vielleicht anhört. Aber der Reihe nach. Montag Spanisch-Examen, Dienstag Marketing... da kam mir gerade recht, dass ich seit zwei Monaten eine Karte für Rob Thomas Live in Denver hatte. Sozusagen als Geburtstagsgeschenk von mir an mich und als Belohnung nach den Klausuren hier. Also das Marketing-Examen in 25 Minuten abgerissen und danach mal gleich zu Enterprise Car Rental. Dann Sachen ins Auto schmeißen und schön gemütlich mit lauter Musik und guter Laune (wie ich mein eigenes Auto vermisse – man könnte sagen, mir fehlen diese meditativen Momente bei voll aufgerissener Anlage) Richtung Denver.

Auf dem Weg einen kurzen Stopp in Loveland eingelegt. Das Nest direkt hinter Fort Collins hat zwar nicht viel, aber immerhin ein Factory-Outlet. Details über das Volumen und den Preis von Hilfiger-, Levi's- und Nike-Zeugs, das ich dort erstanden habe, möchte ich hier nicht verraten (wer's wissen will, soll mich verdammt nochmal anrufen... mich ruft ja hier nie jemand an! Außer Mama hin und wieder... Da kann ich anscheinend auch gleich hier bleiben!). Nur zwei Dinge: Erstens, klamottentechnisch bin ich jetzt versorgt. Und zweitens, habt ihr schonmal 'ne Levi's für 19$ und 'n Hilfiger Poloshirt für 25$ gekauft (es wird regelrecht peinlich und klingt nach Takko, wenn man das in Euro umrechnet!).

In Denver an der University, die praktischerweise gleich am Interstate-25 liegt, ab und in die Magness-Arena. Meine Kamera durfte ich natürlich nicht mit reinnehmen (keine Spiegelreflex...), deshalb gibt's auch keine Bilder. Das da oben ist von der Homepage. Egal, es fing an mit Carolina Liar, einer mir völlig unbekannten Pop-Rock-Band, die aber nicht schlecht war. Da ich mal überhaupt gar nicht wusste, dass 'ne Vorband auf dem Programm stand, staunte ich auch nicht schlecht, als ich in der Pause von der Toilette wieder in die Halle kam und da ein Banner mit dem Bandnamen OneRepublic hing. Man könnte sagen, ich war positiv überrascht :)

Rob Thomas hat gute zwei Stunden hingelegt und seine zwei Soloalben fast ganz durchgespielt. Von Matchbox Twenty gab's nur Bent als Zugabe. Dennoch, absolut gut. Ob Ever the same als Balladenversion oder das Grammy-preisgekrönte Smooth – ohne Santana, dafür mit viel Gefühl. Als Hommage an Bruce Springsteen legte Thomas noch Dancing in the dark drauf. Respekt... Grandioses Konzert.

Da hörte der Spaß aber auch schlagartig auf! In Denver hat es zu der Zeit (so etwa 23:30) schon heftig geschneit. Da ist zwar nichts liegengeblieben, aber gegen den Schnee sieht man ja schonmal nicht so viel. Mehr als 50 Meilen/Stunde war die meiste Zeit bis Fort Collins nicht drin. Mit dem kleinen zusätzlichen Problem, dass ich irgendwann die Höhenlagen erreicht hatte, in denen es bei knackigen Minusgraden nicht mehr gleich wegtaut. In etwa auf Höhe Fort Collins konnte man die Abdrücke meiner Fingernägel schon im Lenkradplastik sehen. Da hatte ich aber noch gute 100 Kilometer vor mir.

Die Bedingungen wurden schlechter und anstatt mir in Fort Collins ein Quartier zu suchen, hab' ich's durchgezogen (in dem Wissen "ich muss morgen die Karre wieder abgeben (wenn sie dann noch heil' ist)" – denn wäre ich in Fort Collins geblieben, hätte ich auch heute Morgen wegen geschlossener Straßen keine Chance gehabt, nach Laramie zu kommen). Ich war auch so ziemlich der einzige PKW auf der Straße... mit ca. 30 Meilen alle drei Spuren benutzend. In Cheyenne musste ich für die letzten 40 Meilen auf den I-80 Richtung Westen. Die Straße wird gern mal gesperrt. Haben die wohl auch in dieser Nacht gemacht – unmittelbar nachdem ich draufgefahren bin. Da ich mich so am Lenkrad festgekrallt habe, um nicht von der Straße zu rutschen und die 10 Meter Sichtweite im Auge zu behalten, habe ich leider keine Fotos. Nur soviel: Ich denke, ich bin der erste, der in einem sommerbereiften KIA Rio solche Bedingungen überlebt hat. Orientierung nur an den reflektierenden Seitenpfosten (jetzt weiß ich endlich, wofür die da sind) auf der einen und der Schneekante auf der anderen Straßenseite. Immer versuchend, in etwa die Mitte des dreispurigen Highways zu treffen.

Dort, wo der Wind den Schnee nicht in Massen über die Straße gepeitscht hat, lag er auf der Straße. Zweimal wäre ich fast steckengeblieben. Und das ist dann nicht wie in Europa! Da ist 40 Meilen NICHTS! Außer Schneetreiben. Und bei der Sichtweite mitten auf dem Highway stehenbleiben ist keine gute Idee. Ich wäre auf dem Kühlergrill des nächsten Trucks verendet. Und mit Warndreieck an die Seite stellen? Naja, wer auf Erfrieren steht... Da kommt nicht der ADAC mal eben so vorbei. Kurzum, steckenbleiben war keine Option!

Nach fast fünf (5!!!) Stunden Fahrt war ich schließlich um kurz vor 5 morgens in Laramie. Nervlich völlig am Ende und den Tränen nah (einfach nur wegen der Erleichterung). Mein Spanischprofessor, der eigentlich jeden Tag von Fort Collins nach Laramie pendelt, hatte die Nacht extra schon in Laramie verbracht und hatte heute nur einen Kommentar übrig: "Wie, Sie sind HEUTE Nacht die Strecke gefahren, mit 'nem Kleinwagen...? ...alleine? Tapfer, verdammt tapfer!" Hey, glauben Sie mir, mach' ich auch bestimmt nicht freiwillig nochmal...

Darauf, dass ich das schadlos überstanden habe, gehe ich jetzt erstmal ein Bier trinken!

Sonntag, 25. Oktober 2009

Crazy Birthday Bash


So, nun bin ich alt. Also, die nüchternste, offensichtlichste Feststellung mal vorne weg. Technisch-mathematisch gesehen bin ich ja nun schon 30 – schließlich wird ab 25 aufgerundet. Egal, dafür habe ich mein 25. Lebensjahr ordentlich beschlossen. Ja, wir haben es hier tatsächlich noch hingekriegt, eine Fete zu organisieren – und was für eine. Aber der Reihe nach: Wir, das sind hauptsächlich Diana und ich, die beide am Samstag Geburtstag hatten (23 und bekanntermaßen 25) und die Party organisiert haben. Allerdings soll Anan nicht unerwähnt sein, dessen Heterosexualität – sagen wir mal gaaanz vorsichtig – etwas in Frage gestellt werden darf (auf den Fotos ist das der etwas weiblich gekleidete Laote, der dann irgendwann mit Krönchen und Zauberstab rumfuchtelt). Nur hatten wir dummerweise ein kleines Problem: In den Wohnheimen sind Parties verboten (besonders alkoholhaltige).

Die Rettung trafen wir erst Donnerstag Mittag: Sie heißt Shawndra und ist die Freundin von Michi, der in Rosenheim geboren ist und ganz passabel Deutsch spricht. "Ach, ne Party und ihr wisst nicht wo? Das Apartment neben mir steht leer, ich darf das nutzen, darüber ist ne Arztpraxis, die um 14 Uhr zu macht und sonst wohnt in dem Hause keiner... da kommen die Cops nie hin!" Lange Rede kurzer Sinn: Gebongt! Das Apartment war wirklich etwas versifft. Keine Möbel (kann auch nix kaputtgehen), aber immerhin ne Küche. Und nach einmal durchfegen und Müll aufsammeln sah das schon wieder ganz "feierbar" dort aus. Sangria, Glühwein und Chips besorgt, Wackelpudding gemacht und noch schnell das Licht auf der Toilette repariert, fertig war die Location.

Ich bin am Abend noch in Fort Collins Fußball spielen gewesen (nach einer 3:1-Führung in der Overtime noch 3:4 zu verlieren ist bitter!) und deshalb 'ne halbe Stunde zu spät zu meiner eigenen Party gekommen. Was ich dann dort aber sah, war etwas... überraschend. Es waren gut 30 Leute (hauptsächlich Internationals) eingeladen worden. Am Ende waren es geschätzte 50-60. Manche kannte ich gar nicht. Aber so läuft das hier. "Hey, da ist 'ne Hausparty hab' ich gehört, lass' uns da mal alle hingehen!" Und auch wenn ich als quasi-Gastgeber bei sowas am Anfang immer etwas unentspannt bin (wegen Nachbarn, Cops und sowieso), war es am Ende die Mega-Fete. Alle waren begeistert und betrunken, haben bei lauter Musik getanzt und gefeiert. Hey, so 'ne coole Party habe ich bislang in Amerika noch nicht erlebt – und dann war's auch noch unsere eigene! Alter Schwede! Oder in diesem Fall besser: Alter Finne! Denn um den Titel des Tagesvollsten stritten sich zunächst Ferdinand (der war dann aber auf einmal spurlos verschwunden – man fand ihn morgens ohne Jacke und Handy, aber zumindest in seinem eigenen Bett auf) und Lassi Härmälä aus Finnland. Letzterer hatte meine Kamera den halben Abend und ist immer mal wieder auf einer ganzen Reihe Bilder mit drauf (der Blonde mit den längeren Haaren, der von Bild zu Bild besoffener aussieht). Aber keine Sorge, die richtig kompromittierenden Fotos sind natürlich nicht online!

Schlafen war nicht, stattdessen aufräumen und um 5:30 mit Patrick, Dennis, Carsten und Christoph nach Denver. Warum so früh? Christoph ist gestern nach New York geflogen und den mussten wir am Flughafen absetzen. Wofür wir ihn gehörig verfluchten, denn völlig übermüdet haben wir den Tag dann in Denver totschlagen müssen, bis wir Abends um 19:00 Uhr im Pepsi-Center die Colorado Avalanche gegen die Detroit Red Wings gewinnen haben sehen. Ein verrückter und sehr langer Geburtstag ging damit zu Ende.

An dieser Stelle vielen dank an Rainer, Martin, Christa und Mario für ihre Anrufe und alle anderen, die mir Mails geschrieben haben und an mich gedacht haben. Aber auch wenn das schön war, hier mit all den Leuten zu feiern, die obligatorische Garagenparty hat mir schon gefehlt. Naja, und trotz der vielen, die auch trotz der Distanz an mich gedacht haben, für manche, von denen man es wirklich nicht vorher erwartet hatte scheint es wohl doch zu heißen: Aus den Augen, aus dem Sinn!

So viel von mir,
eure alte Flasche!

Montag, 19. Oktober 2009

Die kleinen Dinge...



Diesmal ist es kein Trip von eintausend Meilen und kein großartiges Erlebnis, das hinter mir liegt; deshalb kann man sich auch mal den kleinen Dingen widmen, die in der letzten Zeit so angefallen sind. Beispielsweise habe ich mir im Unitheater am 1. Oktober "The Crucible" von Arthur Miller angesehen ("Hexenjagd" auf Deutsch); nach der Theatergruppe war eine Woche später das Symphonieorchester dran. Zwischendurch spiele ich hier ja immer noch Fußball, wie man unten sehen kann:


Am letzten Mittwoch habe ich Daniel aus Köln kennengelernt. Rheinische Herzlichkeit in Person und für stundenlange Diskussionen zu haben. Väterlicherseits brasilianische Vorfahren, deshalb ist er auch bekannt als "The Darkness". Naja, am Samstag bin ich mit ihm, René, Kristin und Karen nach Fort Collins gefahren. René ist seit vier Jahren hier und kann es kaum erwarten, im November wieder nach Deutschland zu kommen. Kristin ist der Grund, warum er seit vier Jahren hier ist und die kommt dann wohl auch mit nach Deutschland. Karen ist eine von Harbou. Alter bayerischer Adel sozusagen. Und ja, ihre (Ur?)Großmutter war Thea von Harbou, bekannt für Nazi-Propagandafilme und das Drehbuch von Metropolis... Die ist mit Josh zusammen (der am Samstag noch völlig besoffen leider arbeiten musste).

In Fort Collins gibt es einen Laden mit einer ganzen Wand voller maßlos überteuerten europäischen Produkten. Deshalb esse ich jetzt gerade Manner-Schnitten. Da war dann auch ein kleiner europäisch-liberaler Protest angebracht. Daniel, René und ich haben also erstmal auf der Straße (streng verboten hier) einen Underberg platt gemacht. Punk's not dead!!!


Nach einem weiteren Bier in einer australischen Bar (am Bondi Beach war ich dieses Jahr erst surfen :-) ) und einem Besuch in der Mall gönnten wir uns nach dem ganzen Mensa-Futter einmal richtig gutes Essen. Nämlich beim Japaner. Hibachi heißt das, wenn der Maestro mit viel zu scharfen Messern das Essen auf der Herdplatte direkt am Tisch zubereitet. Mal was ganz anderes, zwar etwas teurer als Fast Food, aber definitiv genial. Seht euch diese und andere Fotos doch einfach selbst an.

Liebe Grüße aus Wyoming!